Adventskalender des Zentrums für Berlin-Studien (ZBS)

Eene jut jebratne Jans


Eene jut jebratne Jans is ne jute Jabe Jottes.
Oder auch nach einem Kartenspiel:
"Mir ham´se ausjenommen wie ´ne Weihnachtsjans."
"Dieser Markt übte auf uns eine besondere Anziehungskraft aus", erinnerte sich der Publizist Paul Lindenberg (geboren 1859) aus seiner Jugend, "konnten wir doch dort unseren Ulk mit den schlagfertigen Verkäuferinnen treiben, die auf Schemeln saßen und sich an glühenden eisernen Kohlentöpfen wärmten. "Madamken, der Jänserich hat so´n trübes Jesicht, der trauert wohl um seine Braut!" - "Du Jrinschnabel du, paß uff, daß ick dir nich´ne Kohle an deinen Döskopp schmeiße! Wat weeßt du ausjebrütetes Affenküken von ´ne Braut!" -, "Wat kost´ de Jans, Madamken?" - "Eenen Dahler, fünf Jute!" - "Nee, davor is se zu mager!" - "Wat, mager soll diese Oderbruchsche sind? Du bist mager, mein Söhneken, komm mal her, ick werde dir an deine Knochen fassen, det ick Schwielen an de Finger krieje, und du quietschst, det man´s noch in Potsdam hören soll!"
Hier kaufte unsere Mutter stets selbst den Festbraten ein, den wir triumphierend nach Hause brachten, unter der Bedingung, daß wir die Gurgel erhielten, die, getrocknet und mit Erbsen gefüllt, ein herrliches, ohrenbetäubendes Geräusch verursachte.
Wilhelm Clardius: Gänsemarkt
Wilhelm Clardius: Gänsemarkt, Holzstich nach Zeichnung, 1877
Aus: Weihnachten im alten Berlin / Gustav Sichelschmidt. - Berlin : arani, 1984. - S. 117
Sign.: B 274 Wei 8

Bei den vielen Küchenfenstern, die sämtlich nach den Höfen hinausgingen, waren eiserne Haken angebracht, an denen die Gänse, Hasen und anderes Wild im Freien befestigt wurden. So hing auch mal ein feinstes Gänslein an dem Parterreküchenfenster unseres Hauses. Abends klopft es an die Scheiben, die Küchenfee macht auf, jemand ruft ihr zu: "Nehmen Sie man bloß die Jans schnell rein, hier war eben eener, der se stehlen wollte!" Rasch haspelt die Auguste den Bindfaden ab, aber im selben Augenblick bekommt sie einen Stockschlag auf die Hand, läßt die feinste Kapitolsretterin fallen, und der freundliche Warner verschwindet schleunigst damit."


Elise Hannemann empfiehlt das Rezept in dem Kapitel "Zahmes und wildes Geflügel" in ihren Kochbuch von 1898:

Zutaten

Zubereitung:

Die vorbereitete Gans innen und außen mit Salz einreiben. Äpfel und Backpflaumen in Butter anbraten und Mischung einfüllen, danach etwas Beifuß oder Majoran dazu. Die Gans zunähen, Flügel und Keulen festnähen, und sie mit der Brust auf den Boden der Casserolle legen, der zuvor ganz knapp mit kochendem Wasser bedeckt wurde. Eine Zwiebel beilegen und die Gans bei mittlerer Hitze in den Backofen schieben. Nach einer halben Stunde nach häufigem Begießen umdrehen. Mit einer Gabel unter den Flügeln und unter den Keulen immer wieder einstechen, damit das Fett gut ausfließt. Die Gans braucht 2 bis 2 1/2 Stunden, bis sie hell kastanienbraun ist. Ganz zuletzt begießt man sie mit einigen Löffeln kaltem Wasser und läßt sie noch ein Weilchen braten, bis sie knusprig ist. Die Sauce wird entfettet. Wenn nötig, noch etwas Wasser angegossen, mit Kartoffelmehl oder geriebenem Fisch-Pfefferkuchen oder Pumpernickel angedickt.

Aus: Alt-Berliner Weihnacht / hrsg. von Renate Steinchen. - Berlin : Argon Verlag, 1994. - S. 109-110
Sign.: B 274 Wei 9

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http://www.zeitreisen.de/advent/gans.htm
Letzte Aktualisierung: 8.5.1998