Adventskalender des Zentrums für Berlin-Studien (ZBS)

Pfefferkuchen


*Achtung! Für das Gelingen der Pfefferkuchen nach diesem Rezept übernehmen wir keine Gewähr! :-)


Zutaten:
500 gMehl
300 gbrauner Sirup
150 gZucker
80 gSchweineschmalz
40 gButter
60 gZitronat
1 TeelöffelZimt
12 ggestoßenes Kardamom
12 ggestoßenen Ingwer
12 ggestoßene Nelken
1 TeelöffelRosenwasser
10 gBackpulver
Dicker Pfefferkuchen

Bereits im 17. Jahrhundert waren Pfefferkuchen in Berlin bekannt. Allerdings wurde zwischen Braunem oder Thorner Pfefferkuchen und Nürnberger Pfefferkuchen deutlich unterschieden. In beiden Pfefferkuchen wurde Pottasche oder Hirschhornsalz verwendet. Damit die Backwaren genießbar waren, mußte der Teig teilweise wochenlang stehen gelassen werden. Im normalen Hausgebrauch wird heute zum Backen Backpulver verwendet.
Mitte November 1826 spiegelt sich in den "Berlinischen Nachrichten" im Inseratenteil (Untertitel: "Von Staats- und gelehrten Sachen") der Kampf um Weihnachtskunden wider. Neben den Anzeigen für militärisches und technisches Spielzeug für Jungen, "Elastische Pariser Filzhüte" und Galanteriewaren wirbt auch der Pfefferküchler-Meister C.F. Strenge in der Leipziger Straße 27 für seine Backwaren und bot "alle Sorten Pfefferkuchen, bestehend in Zucker, Honig und Gewürzkuchen, desgleichen feine Französische, Baseler, Braunschweiger sowie auch Wiegewaaren zu den billigsten Preisen, Bonbon à Pfund 15 Sgr. (Silbergroschen), Zuckernüsse 10 Sgr."

Anzeige der Firma Strenge
Anzeige aus: Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen. - Sonnabend,
den 23. Dezember 1826. No. 301

In der Breiten Straße Nummer 8, in der auch die "Vossische Zeitung" residierte, die täglich über das weihnachtliche Berlin berichtete, stand die Pfefferkuchenbude der Firma Deska Reichel, wo sich selbst die Mitglieder des Königlichen Hofes mit weihnachtlichem Gebäck versorgten. Bis zum Jahr 1868, heißt es, habe der damalige Kronprinz, der spätere Kaiser Friedrich III. seinen Honigkuchen dort persönlich gekauft.

Elise Hannemann, "Vorsteherin unter dem Protektorate ihrer Majestät der Kaiserin stehenden Letteverein zu Berlin" zeichnete 1898
das folgende Rezept auf:

Zubereitung
Zucker mit Sirup auf warmem Herd zusammenrühren. Butter und Schmalz dazugeben und verrühren. Durchgesiebtes Mehl mit den grob geschnittenen Mandeln, dem Zitronat, Zimt, Kardamon und Ingwer, den Nelken, dem Backpulver und dem Rosenwasser mischen. Nach Bedarf Pommeranzenschale.

Für den Zuckerguß
200 gPuderzucker
2-3 Eßlöffelheißes Wasser
3-4 EßlöffelZitronensaft oder Rum
Der durchgesiebte Puderzucker wird mit dem heißen Wasser vermischt, 3-4 Tropfen Zitronensaft oder einige Tropfen Rum dazugefügt, alles gut durchgemischt und für den Guß verwendet.

Aus: Alt-Berliner Weihnacht / hrsg. von Renate Steinchen. - Berlin : Argon Verlag, 1994. - S. 68-69
Sign.: B 274 Wei 9

*Achtung! Vergessen Sie bitte nicht, eine Handvoll Mandeln einzukaufen! [Anmerkung des Zentrums-Testkochs]


Zu Weihnachten konnte man die poetische Seite des Berlinertums kennenlernen. Auf braunglasierten Pfefferkuchen leuchteten in weißem Zuckerguß mehr oder weniger gelungene, doch stets typisch berlinische Verse.

    Dein Herz ist wie ´ne Leberwurscht´
    Wer davon ißt, hat immer Durscht

sang ein begeisterter Liebhaber, und eine merkwürdige Liebesszene, deren Schauplatz eben nur Berlin gewesen sein kann, versinnbildlichten folgende Verse:

    Jib mir´n Bussel, kleener Pussel!
    Hast woll´n Fussel, oller Dussel?

Aus: Jottlieb, drach´n Jarten ´raus!: Berliner Volkstum, Sitten und Gebräuche / von Dr. Franz Lederer. - Berlin : Buchverlag Germania A.-G., 1934. - S. 102
Sign.: B 274/19

Anzeige Braunschweiger Honigkuchen-Niederlage
Anzeige aus: Vossische Zeitung vom Mittwoch, 24.12.1851, Nr. 301

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http://www.zeitreisen.de/advent/pfefferkuchen.htm
Letzte Aktualisierung: 8.5.1998