Adventskalender des Zentrums für Berlin-Studien (ZBS)

Berliner Weihnachtsrezepte


*Achtung! Für das Gelingen der Speisen nach diesen Rezepten übernehmen wir keine Gewähr! :-)



Zutaten:
250 gweißer Mohn
150 gZucker
4in Würfel geschnittene, in Milch getauchte Semmeln
80 gKorinthen
50 gRosinen
50 gfeingehackte Mandeln
Puderzucker zum Bestreuen
Mohnpielen oder schlesische Mohnklösse

Eine große Schüssel mit Mohnpielen gehörte selbstverständlich auf den Tisch der Weihnachts- und Silvestertafel. Die Mohnkörnchen in der Geldbörse galten für das darauffolgende Jahr als Garant für ein gut gefülltes Portmonnaie. Mohnpielen wurden vorrangig als Nachtisch, aber auch zum Weihnachtskaffee gegessen. Diese süße Speise, heute kaum mehr bekannt, war im letzten Drittel des Jahrhunderts so beliebt, daß sie sogar 1883 das Weihnachtsmenü von Kaiser Wilhelm I. zierte; allerdings waren den Mohnpielen Speisen wie "Petits poulets au riz" ["Reishühnchen", Anmerkung des Zentrums-Testkochs] und auch "Salade de filets de sole" ["Schollenfiletsalat", Anmerkung des Zentrums-Testkochs] vorausgegangen.

Zubereitung:
Gewürfelte Schrippen auf dem Boden eines flachen Behälters nebeneinander schön weichen lassen, den Zucker darüber streuen. Mohn, Milch und die übrigen Zutaten aufkochen, leise weiterköcheln lassen, von Zeit zu Zeit umrühren. Schichtweise die geweichten Brotwürfel und Mohnmischung, die die oberste Schicht bilden sollte, in eine Schüssel geben. Mit Puderzucker bestreuen und kaltstellen.

Aus: Alt-Berliner Weihnacht / hrsg. von Renate Steinchen. - Berlin : Argon Verlag, 1994. - S. 130
Sign.: B 274 Wei 9

Achtung! Semmeln sind Schrippen sind Brot [Anmerkung des Zentrums-Testkochs]


Zutaten:
100 gweißer Mohn
100 gdunkler Mohn
100 ggemahlene Haselnüsse
100 ggemahlene süße Mandeln
1/2 TeelöffelNelken (gemahlenes Piment)
1 Prisehandgemühlter weißer Pfeffer
etwa 220 gHonig
Echt Berliner Honignaute

Noch in den "Goldenen Zwanzigern" dieses Jahrhunderts war vor dem Berliner Stadtschloß auf dem Weihnachtsmarkt der Ruf "Kauft Leute, Honignaute, echt Berliner Honignaute" zu hören. Heute ist Naute fast unbekannt und vergessen. Naute ist ein Naschwerk jüdischen Ursprungs, das vor dem Krieg so selbstverständlich zu den Berliner Weihnachts-Süßigkeiten gehörte wie Pfefferkuchen und Bratapfel. Vor allem die Berliner Gören schleckerten Naute, so oft sie es sich leisten konnten. Zur Weihnachtszeit wurden ungeheure Mengen davon gegessen, und zwar pfennigweise. Naute eignet sich vorzüglich zum Lutschen: nur langsam erweicht es und zergeht im Mund.

Den Mohn in kochendem Wasser aufquellen, vom Herd nehmen und einige Minuten weiterquellen lassen. Zum Abtropfen in ein feines Haarnetz schütten. Den gequollenen, gut abgetropften Mohn mit den gemahlenen Nüssen, Mandeln, dem Gewürz und Honig unter dauerndem Umrühren aufkochen. Die heiße Naute auf ein nasses Kuchenbrett gießen. Leicht auskühlen lassen. Mit nassem Nudelholz gleichmäßig ausrollen und mit nasser Klinge in viereckige Täfelchen schneiden. Erkaltet auf die Kaffeetafel stellen.

Aus: Alt-Berliner Weihnacht / hrsg. von Renate Steinchen. - Berlin : Argon Verlag, 1994. - S. 60
Sign.: B 274 Wei 9


Prosit Neujahr!

Aus: Berliner Weihnachtstage: Scenen aus dem Markt- und Straßenleben
/ von Georg Schöbel. - Leipzig : Adalbert Fischer´s Verlag. - Bl. 25
Sign.: B 390 Schö 1 a SM

Berliner Pfannkuchen

Nachdem in der Weihnachtszeit in der Regel ausgiebig Süßigkeiten gegessen wurden, ist es am Silvesterabend üblich, süße Pfannkuchen, einen Hefeteig, in Fett gebacken, gefüllt mit Marmelade oder Pflaumenmus, zu essen. Der Hang zum Süßen ist vermutlich Franz Carl Achard zu verdanken, der 1798 erstmals in der "Berliner Zuckersiederei" Raffinade aus Runkelrüben gewann. Das "Konditern" gehört in Berlin zu jedem Sonn- und Feiertagsvergnügen. "Warum soll er nicht einmal mit ihr Konditern gehn", sang Kläre Waldorf in den zwanziger Jahren in Berlin.
Übrigens backen oder bestellen die Berliner "Pfannkuchen" am Silvestertag bei ihrem Bäcker, nur Auswärtige nennen dieses Gebäck "Berliner".

Zutaten:
500 gMehl
80 gZucker
100 gButter
50 gHefe
3Eier
1/8 lMilch
1 PriseSalz
1 EßlöffelRum
Schmalz oder Butter zum Backen
Zubereitung:
In eine warme Schüssel erwärmtes, mit Salz vermischtes Mehl geben. Den Zucker zu einem Ring um das Mehl herumstreuen. In lauwarmer Milch die Hefe mit etwas Mehl auflösen. Eine Vertiefung in das Mehl drücken, die vermischte Hefe hineingießen und Zucker und Mehl darüber streuen. Schüssel mit einem Tuch abdecken und an einen warmen Ort stellen. Den Teig 20-30 Minuten stehen lassen. Die Eier in lauwarmer Milch verquirlen, unter das Hefestück mischen. Nach und nach das restliche Mehl und zuletzt die erwärmte Butter darunterrühren. Den Teig schlagen, bis er Blasen wirft und nicht mehr am Löffel klebt. Den Teig ausrollen, mit einer Tasse oder einem Weinglas Scheiben ausstechen. Die mit Rum vermischte Konfitüre als Klecks in die Mitte jeder Scheibe setzen, eine zweite Scheibe darauflegen, Ränder festdrücken, die mit Eiweiß bestrichen werden. Auf ein bemehltes Brett legen und zudecken. Die Pfannkuchen in siedendes Schmalz gleiten lassen. Sobald sie sich bräunen, Flamme kleinstellen. Mit einem dünnen Hölzchen in den Teig stechen. Wenn es trocken bleibt und die Pfannkuchen schön braun aussehen, sind sie durchgebacken. Danach herausnehmen und auf Löschpapier abtropfen lassen, in Zucker wälzen oder mit einem Zuckerguß überziehen.

Aus: Alt-Berliner Weihnacht / hrsg. von Renate Steinchen. - Berlin : Argon Verlag, 1994. - S. 128-129
Sign.: B 274 Wei 9

*Achtung! Hier scheint es ratsam, etwas Konfitüre vorrätig zu haben. [Anmerkung des Zentrums-Testkochs]


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http://www.zeitreisen.de/advent/rezepte.htm
Letzte Aktualisierung: 8.5.1998