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ROMAN für KINDER

Erich Kästner: Emil und die Detektive, ein Roman für Kinder. Verlag Williams & Co., Berlin

Emil aus Neustadt wird wohl so zwölf Jahre alt sein; vielleicht steht auch das genaue Alter im Buch, und ich übersah das, weil ich zu gespannt las und es ja belanglos ist, ob er zehn, elf oder zwölf Jahre zählt. Die Detektive dürften in dem gleichen Alter sein, und darum sind sie sympathische und intelligente Detektive. Wären sie weniger intelligent, klappte es nicht so gut mit dem Spionagebetrieb, dem Beobachtungsdienst, und selbst Pony Hütchen, Emils Kusine, könnte auf ihrem Fahrrad, und ist es auch noch so gut, nicht viel nützen, und niemals würde Emil die hundertvierzig Mark, die ihm während der Eisenbahnfahrt nach Berlin gestohlen wurden, zurückbekommen. Und wären sie weniger sympathisch, die Detektive, man hätte nicht die unbändige Freude, die man nun bei der ersten, zweiten, dritten Lektüre (pardon, Erich Kästner, ich habe Ihr Buch erst dreimal gelesen!) dieses so ausgezeichneten, dieses ungemein erfrischenden Romans für Kinder empfindet; - Roman, den alle Leser und Leserinnen vom zehnten Jahre aufwärts bis zum Greisenalter mit gleicher Neigung lesen werden, sollen, müssen. Dieser Kinder-Roman des Dichters Erich Kästner ist nicht etwa ein Nebenwerk; er bezeugt vielmehr, dass Kästner mit wohltuendem Humor, mit Grazie und Behagen erzählen kann. Der temperamentvoll geschriebene kleine Roman hat in jedem Satz Witz und Liebenswürdigkeit; nicht ein Wort ist gekünstelt; nicht eins gesucht. Es ist da eine muntere und abenteuerliche Erzählung geglückt, und neben einer Anzahl lustiger Figuren steht, zärtlich gesehen und gestaltet, die prachtvolle Mutter; sind zu lesen die Dialoge zwischen ihr und dem Söhnchen Emil.

Ein Roman für Kinder? Junggesellen und kinderlose Eltern wissen nun nicht, wie sie dieses Buch, das sie ihren nicht vorhandenen Kindern nicht wegnehmen können, lesen sollten? Keine falsche Scham! Selber kaufen! Es fesselt den Erwachsenen wie den Jugendlichen. Walter Trier steuerte viele hübsche Bilder bei.

Hans Sochaczewer

Berliner Tageblatt, 15. Dezember 1929

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