Der Reichstagsbrand

Zur Kontroverse über den Reichstagsbrand

Leitung des Instituts für Zeitgeschichte (1)

Seite 1 von 1

Seit dem Herbst des Jahres 2000 haben die Journalisten Hersch Fischler und Dr. Gerhard Brack mehrere Zeitungsartikel veröffentlicht, in denen mehr oder minder nachdrücklich die These vertreten wird, dass das "Institut für Zeitgeschichte die Publikation von Forschungsergebnissen zum Reichstagsbrand politisch behindert" habe. Dieser Vorwurf bezieht sich auf Vorgänge der Jahre 1960 bis 1962. Die Institutsleitung hatte seinerzeit dem Oberstudienrat Dr. Hans Schneider aus Freudenstadt den Auftrag erteilt, einen Artikel über den Reichstagsbrand für die Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte zu verfassen, der sich mit der kurz zuvor aufgestellten These von Fritz Tobias, dass Marinus van der Lubbe als Alleintäter den Reichstag angezündet habe, auseinandersetzen sollte. Erst im Herbst 1962 lag ein umfangreiches "Rohmanuskript" vor, das die damalige Institutsleitung nicht als publikationsreif betrachtete. In dieser Situation, in der sich die Frage nach der weiteren Behandlung der Angelegenheit stellte, führte der damalige Mitarbeiter des Instituts, Dr. Hans Mommsen, im November 1962 ein Gespräch mit Rechtsanwalt Dr. Delp "betr. die Rechtslage in der Angelegenheit Schneider", über die Mommsen eine Aktennotiz verfasste. Hierin hat Hans Mommsen u.a. festgehalten, dass "aus allgemeinpolitischen Gründen" eine Publikation des Manuskriptes von Hans Schneider "unerwünscht zu sein scheint", und darüber hinaus zu bedenken gegeben, ob eine anderweitige Publikation des Manuskripts durch Hans Schneider nicht "durch Druck auf Schneider vermittels des Stuttgarter Ministeriums" verhindert werden könne.

Hierzu nimmt die Institutsleitung wie folgt Stellung:

  1. diese auch von Hersch Fischler zitierten Äußerungen von Hans Mommsen sind unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten völlig inakzeptabel.
  2. Das "Rohmanuskript" Hans Schneiders, das im Archiv des Instituts für Zeitgeschichte eingesehen werden kann, war und ist nicht publikationsreif.

1 Diese Notiz wurde veröffentlicht in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Jg. 49 (2001), S. 555. [Zurück zum Text]


Anfang Weiter
© 1996-1999 KULTURBOX © seit 1999 ZLB