Der Berliner Schlossplatz
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Das Nationaldenkmal für Kaiser Wilhelm I.

Der erste deutsche Kaiser, Wilhelm I., starb am 9. März 1888. Nach seinem Tod setzte eine Welle von Denkmalserrichtungen ein, die die Person an sich und aber auch vor allem die Verdienste des Kaiser für die Einheit des Landes ehren sollten.

    "Diese Denkmäler, darunter selbstverständlich auch das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Berlin, belegen - weniger als individuelle Monumente des dargestellten Monarchen, sondern eher als Denkmäler der Monarchie als Regierungsform, aber auch als Denkmäler der Nation generell - das enorme Bedürfnis, in einer weniger bedrohlich erscheinenden Vergangenheit Rückhalt zu suchen." (Arnold/Arnold, S.53)
Vor diesem Hintergrund wurde am 30. Januar 1889 ein Wettbewerb für die Errichtung eines zentralen Nationaldenkmals für Wilhelm I. in Berlin ausgeschrieben, der sich ausschließlich an deutsche, bzw. deutschsprachige Künstler wandte. Obwohl die Jury, die sich neben Künstlern unter anderem auch aus Mitgliedern des Reichstages und des Bundesrates zusammensetzte, zu einem Entschluss kam, wurde der gekürte Vorschlag nicht in die Tat umgesetzt; Kaiser Wilhelm II. griff ein und wollte seine Vorstellungen verwirklicht sehen:
    "Ich bin von der Ausstellung der Entwürfe zu einem Kaiser-Wilhelm-Denkmal sehr enttäuscht. Vor allem weiß ich nicht, was die Architekten mit ihren riesenhaften Tempelbauten wollen. [...] Die Aufgabe ist nur durch einen Bildhauer zu lösen. Die Schlossfreiheit ist der geeignetste Platz und das alte Schloß der gegebene Abschluß für ein Monument, ähnlich denen des Großen Kurfürsten und Friedrich des Großen. [...] Ich würde keinem ausgestellten Modell einen Preis gegeben haben. [...] der einzige Entwurf, welcher der gestellten Aufgabe am nächsten kommt, ist der von Reinhold Begas." (Kaiser Wilhelm II. zitiert in: Arnold/Arnold, S.58)
Im Dezember des selben Jahres wurden die Häuser der Schlossfreiheit abgerissen, und so entstand genug Platz für das geplante Denkmal. Kaiser Wilhelm II. übernahm nun allein die Planung. Er bestimmte, dass ein Reiterstandbild errichtet werden sollte und setzte eine Vielzahl weiterer Bedingungen (siehe Arnold/Arnold, S.59/60) voraus, die als Grundlage für einen erneuten Wettbewerb dienten. Diese Vorgehensweise wurde stark kritisiert und der Reichstag demonstrierte gegen das selbstherrliche Vorgehen Wilhelms II. mit der Kürzung der Mittel für den Bau des Denkmals von acht auf vier Millionen Reichsmark.

Am 22. August 1891 sprach Wilhelm II. dem Bildhauer Reinhold Begas (1831-1911) den ersten Preis im Wettbewerb um die Errichtung des Reiterstandbildes aus. Im Juni 1894 begannen die Bauarbeiten für das Fundament des Denkmals, das zu einem gewissen Teil bis auf die Wasserfläche des alten Schleusenvorhafens im Spreekanal reichen sollte. Die Konstruktion war kompliziert, und die feierliche Grundsteinlegung des Denkmals sollte im Sommer 1895 stattfinden.

Nationaldenkmal
Nationaldenkmal Kaiser Wilhelm I.
Historische Postkarte (Zentrum für Berlin-Studien)

Das gesamte Denkmal konnte im Frühjahr 1897 fertiggestellt werden und wurde am 22. März des selben Jahres aufwendig und in Anwesenheit vieler Ehrengäste enthüllt, aber nach wie vor rief das Denkmal nicht nur Begeisterung im Land aus.

Im Zuge der Revolution von 1918 nahm das Denkmal keinen Schaden. 1934 wurde sein Fundament jedoch (wie auch das vieler anderer historischer Bauten, siehe "Rotes Schloss") durch den Erweiterungsbau der Reichsbank und die damit verbundene Grundwasserabsenkung beschädigt.

Auch die nationalsozialistischen Stadtumgestaltungen überlebte das Denkmal.
Erst nach dem Krieg, am 6. Dezember 1949, wurde unter der SED-Regierung in Ost-Berlin mit dem Abbau des Reiterstandbildes begonnen. Wie später das Schloss sollte auch das Denkmal für einen Aufmarsch-Platz weichen. Im Frühjahr 1950, pünktlich zum Pfingstreffen der FDJ auf dem Lustgarten, war das Denkmal abgetragen.
 
 


http://www.zlb.de/schlossplatz/geschichte/denkmal.htm / Update: 15.3.00
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