Der Berliner Schlossplatz
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"Schlossfreiheit"

1671 erfolgt ein Erlass des Großen Kurfürsten zur Bebauung des Gebiets des eingedämmtem Ufergeländes des westlichen Spreearms zwischen Neuen Mühlen und "Hundebrücke" (heutige "Schlossbrücke"), das bis dahin als "Weg hinter der Wasserkunst" bekannt war.

Schlossbrücke und Schlossfreiheit
Blick über die Schlossbrücke zur Schlossfreiheit (Wasserseite),
1875, Historische Postkarte (Zentrum für Berlin-Studien)

Obwohl es eigentlich zum Gebiet des damaligen Friedrichswerder gehörte, blieb das Gelände ausdrücklich unter kurfürstlicher Verwaltung. (Privileg im Originallaut Friedrich Wilhelms vom 4. Juni 1672)
Den Besitzern der Häuser wurde für die kostspielige Bebauung und Fundamentierung auf dem sumpfigen Untergrund verschiedene Freiheiten gewährt (wie z.B. Gewerbefreiheit und die Befreiung vom Grundzins, vom Wachdienst und von Einquartierungen), und aus dieser Tatsache ergab sich auch der Name "Schlossfreiheit".

    "Andererseits ruhte auf der Schlossfreiheit, wie auf vielen anderen Freihäusern von Alters her, wohl als Gegenleistung für die Begünstigungen, eine Verpflichtung, nämlich gewisse Personen aus dem Gefolge von Gästen des königlichen Hofes aufzunehmen oder für ihre Unterbringung zu sorgen. Seit 1844 hatte man dieses Verhältniß dahin geordnet, daß alle Freihäuser der Residenz für ihre Verpflichtung zusammen jährlich 1000 Thlr. an das Hofmarschallamt entrichten, 1871 setzte dann diese Behörde durch, daß die Eigenthümer durch Kapitalzahlung die Last ablösten." (Clauswitz, S.59)

1680 war die vollständige Bebauung des Straßenzuges (Preis pro Grundstück betrug damals, 1696, ca. 2620 Thlr. - 1783 bereits ca. 6500 Thlr.) (Clauswitz, S.59) beendet und mit Leben gefüllt; Clauswitz weiß außerdem folgendes zu berichten:

    "Wie es heutzutage regelmäßig zu geschehen pflegt, sobald eine neue Straße entsteht, so that sich auch damals alsbald, schon 1676 hier eine Schankwirthschaft auf und zwar mit fremden Bieren, also für das bemitteltere Publikum der Residenz. Doch das ist in der Stadtgeschichte ohne Beispiel, daß der Wirth - Hamrath hieß der spekulative Mann - der nicht einmal Eigenthümer war, die Kosten für die Pflasterung der Straße vorschoß. Sie sollten ihm allmählich aus den auf der Freiheit eingehenden Acciseerträgen erstattet werden. Wohlweislich ließ er sich ein Privilegium ausstellen, wonach der Hausvogt keinem Konkurrenten eine Konzession geben durfte." (Clauswitz, S.58)


http://www.zlb.de/schlossplatz/geschichte/schlossfreiheit.htm / Update: 14.3.00
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