Der Berliner Schlossplatz
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"An der Stechbahn"

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts stieß die "Schlossfreiheit" am südlichen Ende auf die Straße "An der Stechbahn". Der Name ergab sich aus der Tatsache, daß dieser Ort bereits im 16. Jahrhundert (sie wurde 1538 von Kurfürst Joachim II. für das Fest anläßlich der Geburt seiner Tochter angelegt) als Turnierplatz für sogenannte "Ringelstech-Turniere" genutzt wurde; zu diesem Zeitpunkt war sie ein "mit Schranken eingeschlossener, 300 Fuß langer und 65 Fuß breiter zu Turnieren und Ritterspielen (Stechen) dienender Platz." (Nicolai, S.113).

Im 17.Jahrhundert wurden die Turniere mit Verkaufsbuden angereichert und eine Art Markt entstand. 1670 gab es hier die ersten "Glückshäfen" Berlins, die als Warenauslosungen Vorläufer der späteren Zahlenlotterie waren. (Oschilewski)

Nachdem die Stechbahn unter Friedrich Wilhelm I. 1681 abgebaut und durch eine Ladenreihe ersetzt wurde, die 1716 dann wiederum einer Schlosserweiterung zum Opfer fiel, wurde sie unter König Friedrich I. in Form einer Häuserreihe wieder aufgebaut (die sich dann allerdings von der Brüderstraße bis zu den Werderschen Mühlen erstreckte).

    "Die Gebäude der Stechbahn wurden einheitlich in französischem Stil als erstes dreistöckiges Kauf- und Wohnhaus Berlins erbaut. Im Erdgeschoß hatten sie offene Bogenlauben mit Kaufläden, über denen sich zwei mit ionischen Wandpfeilern verzierte Wohngeschosse erhoben. Eine Pfahlreihe vor dem Gebäude diente zum Schutze gegen das Befahren der unterkellerten Räume; denn vor der Stechbahn hatten bis Ende des 18. Jahrhunderts die ersten 15 Mietskutschen, die Friedrich Wilhelm I.‚ zur Bequemlichkeit des Publikums' bauen ließ, ihren Standplatz." (Matzdorff)
Wie Nicolai zu berichten weiß, "versammelten sich [hier] alle Mittage die Kaufleute als auf einer Börse." (S.115)
Die Gebäude "An der Stechbahn" waren hauptsächlich im Besitz von Hugenotten und wurden am 20. Juni 1702 zu "Freihäusern" erklärt.

Anfang des 19. Jahrhunderts waren "An der Stechbahn" unter anderem die Volpische Konditorei, die Buchhandlung Ernst Mittler & Sohn, der Lotterieladen der Familie Matzdorff (Foto), das Bankhaus Jacquier & Securius und die Konditorei Josty ansässig.

Stechbahn
Das Kaufhaus "An der Stechbahn". Fotografie aus dem Jahre
1865 von F. Albert Schwartz.
Berlin Archiv 02028

1866 wurde der Durchgang vom Schloßplatz zum Werderschen Markt erweitert, was einen Umbau des Straßenzugs zur Folge hatte; das "Rote Schloss", ein vierstöckiges Wohn- und Geschäftshaus, das seinen Namen der Ähnlichkeit mit dem Berliner Rathaus verdankte, wurde erbaut. Die Brüder Castan eröffneten hier das erste Berliner Panoptikum, das allerdings kurze Zeit später in die Friedrichstraße umzog.

1936 senkten sich Teile des "Roten Schlosses" ab, was den Abriß des Mittelbaus zur Folge hatte. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Haus durch die Bebombung vollständig zerstört.
 
 


http://www.zlb.de/schlossplatz/geschichte/stechbahn.htm / Update: 1.3.00
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